2. Ausstellung in Galerie in der Promenade in Fürth

Christian Fritsche präsentiert ausgewählte Zeichnungen aus dem LANDSYN Projekt Peter Langs. Er nennt es „Islands Küsten und Fjorde im Portrait“.

Von See aus sind diese Landschaften wohl noch nie gezeichnet worden, einige der Küstenabschnitte sind schwierig zu befahren und ein Boot und einen Künstler auf ein Boot zu bekommen, ist fast unmöglich. Das unterstreicht die Einzigartigkeit der gezeigten Prägezeichnungen.

Der Galerist bittet um telefonische Anmeldung und freut sich auf Ihren Besuch: 0911 70 66 60

26. Januar – 27. März 2022
Galerie in der Promenade

LANDSYN – Land in Sicht in Berlin

In ihrer kleinen Galerie zeigt die junge Galeristin Anna Franek ausgewählte Prägezeichnungen aus der Serie LANDSYN – Land in Sicht.

8. Januar – 11. Februar
Galerie anna25, Berlin

Peter Lang fasst seine Reise im Fischkutter um Island selbst zusammen:

LANDSYN Ein nautisches Pleinair-Projekt

Seit vielen Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Landsichtung. Im Kindesalter war meine Wahrnehmung der Landschaft mit einem Gefühl der Schönheit gepaart. Es stellte sich in der Bewegung, beim Laufen, Radfahren oder Bergsteigen ein, wenn die Landschaft-Raum-Komponenten Vordergrund, Hintergrund, Himmel und Licht so aufeinandertrafen, dass für mich ein ästhetischer Moment entstand. Diese visuelle Herausforderung stellt sich für mich bis heute als bildender Künstler. Zur optischen Wahrnehmung des Landschaftsraumes kam im Laufe meiner künstlerischen Darstellung die Frage der Verwendung der malerischen und grafischen Mittel. Diese zusammenzubringen ist mein Beruf.

Das Kunstprojekt LANDSYN – Land in Sicht hat die Elemente Land, Standpunkt, Bewegung, Beobachtung, Sichtung, Entscheidung und Ausführung „en plein air“. Als Land wählte ich die Insel Island. Der Standpunkt war der alte Fischkutter Pall Helgi auf dem Nordatlantik. Auf ihm wurde ein Zelt mit einem großen Ausguck zur Küstenlinie installiert. Im Zelt war ein Maltisch, von dem aus die Landschaft gesichtet und die Entscheidung zum Start der grafischen und malerischen Aktion getroffen wurde. Das Eichenboot fuhr mit zwei bis zehn Knoten Geschwindigkeit insgesamt eine Strecke von ca. 5500 Seemeilen ab. Dabei wurden 48 isländische Fjorde ein- oder mehrmals befahren und in 28 Häfen angesteuert. Gearbeitet habe ich auf Papier, Arches Rives Bütten, 300g/qm im Format 80 x 120 cm oder 60 x 80 cm. Meine grafischen Geräte waren das Falzbein, eine stumpfe Radiernadel, Bleistift, Stahlfeder und Tuschpinsel. Als Farbmittel habe ich Farbpigmentteige der Firma Kremer verwendet, die mir David Kremer speziell für die Reise angefertigt hat. Bindemittel war Schellack.

Der Zeitraum der Umfahrung war Juni bis Mitte August 2021. Bolungarvik im Nordwesten Islands war Ausgangspunkt und Endpunkt der Malreise. Richtung N-O-S-W.

Gearbeitet habe ich ausschließlich auf dem Wasser. Meine Inspirationsbeobachtungen fanden immer während der Seefahrt statt. Von meinem Zeltausguck betrachtete ich die Landschaft und zündete bei einer für mich ergreifenden Landschaftssituation meinen malerischen und zeichnerischen Prozess. Der begann meist damit, dass ich zuerst mit Falzbein, Radiernadel oder stumpfem Bleistift Vertiefungen in Vorder- und Rückseite des Papiers prägte. Nachdem so eine Bildidee entstanden war, fasste ich mit Farbtuschen die Zeichnung farbig. Meist wurde das Blatt mit Ortsnamen betitelt und mit nautischem Maß in Länge und Breite verortet und dann signiert. Die Außenbedingungen, Temperatur und Wetter, die Jetzt-Situation auf dem Wasser haben meine künstlerische Arbeit stark geprägt. Entscheidend aber war die Bewegung des Bootes im Wellengang. Bei sehr starkem Wellengang entstanden meist sehr direkte Arbeiten, in stark expressivem Duktus. Es war ein sehr rigoroses Aufnehmen und Ausdrücken. Die starke physische Anstrengung am Arbeitsplatz forderte eine sehr konsequente Umsetzung. Diese Wildheit habe ich sehr geschätzt. In ruhigem Fahrwasser sind entsprechend zarte und feine Arbeiten entstanden. Die Zeichnung konnte komplexer gesetzt und die Farbe differenzierter gemischt werden. Das Wetter, Wellengang und die starken Meeresströmungen haben grundsätzlich meine Beobachtung und meinen Arbeitsprozess beeinflusst. Die schnell wechselnden Lichtstimmungen waren die Grundlage für die jeweiligen Farbentscheidungen.

Die Weiterfahrt des Schiffes veränderte ständig den Standpunkt meiner Landsichtung und ist somit der immanente Unterschied zu meiner Arbeit an Land. Der Landstandpunkt ist immer fest und die Betrachtung ist nur geprägt von wechselnden Lichtstimmungen, ganz anders als auf dem Wasser in Seefahrt. Eine Situation, die mir eine präzise Wahrnehmung und blitzartige Umsetzung abverlangte: Zaudern unmöglich, ein impressionistischer Eindruck, eine expressive Ausführung, eine Momententscheidung, kein Abwägen, radikale Umsetzung, Kopf oder Zahl, immer riskant. Es war ein Arbeiten im Hier und Jetzt voller Konzentration, ein Arbeitsrausch, wunderbar für mich.

Interessant ist auch der auf See umgekehrte Farbraum zur Landschaftsmalerei an Land: Kalte Farben sind auf See im Vordergrund und das „wärmere“ Land im Hintergrund. Die für mich als Mitteleuropäer gewohnte Farbperspektive im Sinne Caspar David Friedrichs stellte sich auf den Kopf und gab mir die Möglichkeit, den dreidimensionalen Raum frisch und spontan in eine zweidimensionale Grafik zu übersetzen.

Das einfache, freie Leben an Bord der Pall Helgi rahmte den Arbeitsplatz ein. Gekocht, gegessen und geschlafen wurde gemeinsam mit der Schiffsmannschaft in der kleinen Kajüte im Bug des Bootes. Verspeist wurde fast ausschließlich der Fischfang des Vortages, besprochen wurde alles am kleinen Kajütentisch oder es wurde spontan nach der jeweiligen Wettersituation entschieden: Kurz, direkt und sofort. Die Stimmung an Bord war immer hervorragend und es wurde viel gelacht. Die Mannschaft bestand aus dem Kapitän und Ingenieur Loftur Bjarnason (56 Jahre), dem Koch und Manager der Reise Sigfus Almarsson (66 Jahre), Gabriele Lang-Kröll als Dokumentaristin und Matrosin (55 Jahre) und dem Künstler Peter Lang (56 Jahre). Während eines sechstägigen Landgangs von Loftur im Westen der Insel übernahm Kapitän Fri∂thjoffur Saevasson (54 Jahre) das Ruder und Arni Emanuelsson (70 Jahre) unterstützte ihn als Maschinist. Manchmal hatten wir auch Gäste an Bord, die uns für ein paar Tage begleiteten. Gemeinsam haben wir allen Widrigkeiten getrotzt und wurden von der unglaublichen Schönheit der Insel überrascht und belohnt.

Die wilde Seefahrt haben wir dank der umsichtigen und professionellen Kapitäne unversehrt überstanden, was ein Glück ist. Wir haben gemeinsam nicht den Fisch gejagt, sondern die Schönheit der Insel. Was für ein Malabenteuer!

Auf See, 20. August 2021, Nöronna (Fähre Island-Dänemark)

Peter Lang

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