Natürliche Erden

David Kremer, im Katalog Peter Lang und das Polarlicht, Köln 2019, ISBN 978-3-9812421-3-3

Seit vielen Jahrtausenden beschäftigen sich die Menschen mit der Herstellung von Farbe aus verschiedenen Materialien.

Anfangs waren es Erde, Steine, Pflanzen und später auch tierische Produkte, welche die Menschen zu Farben verarbeiteten. Je nach Region bezogen die Menschen die vorhandenen Rohstoffe wie gelben oder roten Ocker oder auch grüne Erdfarbe. Sobald der Mensch das Feuer entdeckte, begann er Kohlenstoffschwarz aus entweder tierischem oder pflanzlichem Material herzustellen. Durch die Eröffnung von Handelswegen wurde die Farbauswahl diverser, was dazu führte, dass die farblich gestalteten Werke bunter wurden. Mit der Industrialisierung und dem Wissen konnten die Menschen schon recht früh einige Farben synthetisieren, dies hatte mit dem Anfang der Neuzeit eine ganz neue Dimension bekommen. Nicht nur wenige synthetische Pigmente kamen als Ergänzung zu den Naturpigmenten dazu. In der Neuzeit wurden alte Pigmente durch neue synthetische ersetzt.

Einfache Erdfarben als Eisenoxidpigmente synthetisch in einer sehr viel reineren Qualität hergestellt. Die hohe Qualität ermöglichte dem Anwender, einen immer gleichbleibenden Farbton in seinem Werk zu erreichen. Die Farbenindustrie verdrängte in wenigen Jahrzehnten die einfachen, natürlichen Erdfarben vom Markt.

Kunstmalern wurde dadurch eine riesige Palette an Nuancen und Möglichkeiten der vergangenen Jahrhunderte genommen. Die „neuen Erdfarben“ hatten nicht mehr die Eigenschaft, einen lasierenden oder natürlichen Farbton auf der Bildfläche zu entfalten.

1977 war das Ausmaß der „verschwundenen Farben“ so groß, dass etwas passieren musste. Die Restauratoren sowie die Kunstmaler sehnten sich nach dem alt-meisterlichen Material. Kremer Pigmente, heute mit mehr als 1500 Pigmenten im Sortiment, konnte die Situation der verlorenen Farben bis zum heutigen Tag fast wieder herstellen.

So kam es 2009 durch einen Zufall, dass Peter Lang berichtete, er fahre nach Island, um Landschaftsmalerei zu betreiben. Dies weckte in mir meinen seit Kindheitsbeinen innig verbundenen Farbjagdtrieb und kurzerhand saß ich im Flugzeug nach Island, um Peter bei seiner Farbauswahl zu unterstützen. Nach knapp 14 Tagen im Juni, bei idealen 24h Licht, konnten ein Snaefellsjökull Rot, Heydalsvegur Gelb und ein Brimsvellir Grün geborgen werden.

Gerade bei der Landschaftsmalerei, bei der es sich immer um die genaue Farbwiedergabe der Umgebung handelt, sind die natürlich vorhandenen Farberden die beste Wahl. Warum erst einen Farbton mischen, wenn das richtige Pigment in Reinform buchstäblich vor einem liegt?

David Kremer