Das längste Pixel der Welt

Peter Lang bringt mit „Linientreu“ weit entfernte Orte in den Liebenweinturm

Von Stefan Angstl, Passauer Neue Presse  vom 11.4.2016

Ausgemessen hat Peter Lang die Welt bereits in großen Teilen. Nun vermisst er mit seiner Ausstellung „Linientreu“ erneut den Liebenweinturm der Künstlergruppe „Die Burg“. Vor 14 Jahren hatte der momentan im Bayerischen Wald lebende Maler schon einmal in Burghausen ausgestellt. Lang stellte sich auf der recht gut besuchten Vernissage am Freitag selbst vor und bezeichnete sich im Gespräch selbst als „Wirtschaftsflüchtling“ aus dem oberbayerischen Holzkirchen.

Weniger geflohen als vielmehr selbstbestimmt gereist ist Peter Lang an das südliche Ende der Welt. Dort in Patagonien platzierte er sein einzigartiges „Containeratelier“ am Ende eines Feldweges im Süden Chiles und malte großformatige Bilder der eindrucksvollen Landschaft. Das ca. 60 Quadratmeter große mobile Atelier diente als Zeichen der menschlichen Kultur, die soweit reicht, wie die gleichförmigen Container der Globalisierung reichen.

Ganz und gar nicht einheitlich gestaltet sich hingegen die Reaktion des Malers auf die Weite und Rauheit Patagoniens. Dazu hat er eine besondere Technik entwickelt, die nicht nur eine organische Farbmischung aus Eiern, Sand und anderem enthält, sondern auch die Hervorhebung der Linie als sein Markenzeichen. Sie bilden den Ausgangspunkt für die Herstellung ganz eigener Bezüge zur Natur, mit einer Weiterentwicklung bis zum Ende, an dem das Ziehen von Linien bis zu sechs Metern Leinwand steht. Im Grunde arbeite er eher traditionell, aber diese langen Linien seien der Versuch, auf die Verpixelung der modernen Welt mit einem lang gezogenen Riesenpixel zu reagieren, so Lang.

Hingezogen hat es ihn auch in den Norden, nach Island. Das Ergebnis des eineinhalbjährigen Aufenthaltes auf der Insel ist in einem eigenen Raum der Ausstellung zu sehen, ebenso wie die Zeit in Chile oder ein Aufenthalt in Trondheim (Norwegen) jeweils eigene Räume erhalten haben. Besonders die wuchtigen und skulpturalen Felsen der Vulkaninsel hatten es dem bekennenden Maler angetan und führten ihn schließlich zu einem Ausflug in die Bildhauerei.

Nach der Rückkehr aus Island erweiterte Peter Lang sein Atelier in Cham und hatte plötzlich Platz, den er für die Arbeit mit Holz nutzen konnte, zumal ihn auch die Fischerei auf dem Atlantik fasziniert hat. Mit dem Werkstoff Holz konnte er seine Ordnungsprinzipien und Reihungen aus der Malerei fortsetzen. Diese so raumgreifende wie wirkungsvolle jüngste Installation lässt sich im Keller bewundern, in dem das schwere Holz regelrecht spürbar wird. Somit ist eine sehr vielgestaltige Ausstellung entstanden, zu der auch ein Film zu Leben und Schaffen des Künstlers gezeigt wird.